Mittwoch, 21. April 2010

Stickmustertücher

Wer sich bemüht, etwas Neues zu erlernen, dem wird schnell klar: man kann noch so viele Bücher lesen, noch so viele Kenner befragen, das, was einen letztendlich weiterbringt, ist nur das eigene Üben, die eigenen Erfahrungen, das Begreifen.

Für die Stickerei ist das Stickmustertuch die traditionsreichste Möglichkeit, das Wissen um Stiche, Techniken und Motive weiterzugeben bzw. zu erlernen und zu üben. Man kann sie sich als Notizbücher vorstellen, in einer Zeit, als Gedrucktes nicht vorhanden oder erschwinglich war. Oftmals finden sich symbolische Motive auf den Tüchern, der Name der Stickerin und das Datum. Oder auch Alphabete, Ziffern, dekorative Säume oder verschiedenste Kombinationen von Stichen und Techniken. Ein interessanter Aspekt ist, dass diese Tücher niemals einen praktischen oder dekorativen Zweck erfüllten, es ging immer nur um das Sticken selbst, die Tätigkeit an sich.



Das Deutsche Stickmuster-Museum Celle hat eine Vielzahl von Stickmustertüchern und Artverwandtem aus den letzten Jahrhunderten zusammengetragen. Vor Ort erhält man mit dem Kauf seiner Eintrittskarte eine Lupe, eine Taschenlampe und -wer mag- einen ca. 2 Kilogramm schweren Ordner mit weiterführenden Informationen zu den Exponaten (Führungen können nur nach Voranmeldung durchgeführt werden, wenn überhaupt; fachkundiges Personal ist nicht vor Ort).
Die Art und Bedeutung des Stickmustertuchs hat sich ständig gewandelt. Mir ist nicht ganz klar, an welcher Stelle wir heute stehen. Das Zurückblicken hinterläßt jedoch eher ein Gefühl von Verlust angesichts dieses Reichtums.

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